Claudia Käch | 03.07.2013

Eine Frau übernimmt das Ruder im Spital

Im Freiburger Spital wird Claudia Käch eine ähnliche Konstellation vorfinden wie zuletzt im Kanton Aargau.Bild Aldo Ellena/a

Der Verwaltungsrat hat die Person gefunden, die in Zukunft die Geschicke des Freiburger Spitals leiten soll: Claudia Käch, 50-jährig, derzeit CEO des Spitals in Zofingen. Sie hat dort eine Reform erfolgreich durchgeführt. Dem VR gefiel, dass sie mit Konflikten umgehen kann.

Sie hat sich gegen 28 andere Kandidatinnen und Kandidaten durchgesetzt. Am Schluss hat Claudia Käch den Verwaltungsrat des Freiburger Spitals (HFR) und auch den Staatsrat am meisten davon überzeugt, dass sie die geeignete neue Generaldirektorin des Freiburger Spitals ist.

Claudia Käch wird somit spätestens am 1. Februar 2014 die Gesamtleitung des HFR übernehmen. Wie Käch den FN erklärte, hat sie am Montag, 1. Juli, ihre Demission beim jetzigen Arbeitgeber eingereicht. Mit einer sechsmonatigen Kündigungsfrist würde sie erst Ende Januar 2014 für das Freiburger Spital frei. Sie habe jedoch ihren Arbeitgeber ersucht, bereits auf den 1.1.2014 in Freiburg beginnen zu können. Bis dann wird Edgar Theusinger die Leitung des HFR interimistisch sicherstellen.

Reform im Aargau

Claudia Käch ist derzeit CEO des Spitals Zofingen, und sie ist auch Mitglied der Geschäftsleitung des Kantonsspitals Aarau. Sie verfügt über ein Diplom der Hotelfachschule Lausanne und ein Lizenziat in Betriebswirtschaft der Universität Zürich. 2000 bis 2004 war Käch Geschäftsführerin und Kaufmännische Leiterin der Swica Gesundheitszentren in Winterthur, anschliessend Leiterin Finanzen und Controlling bei Rail Away in Luzern.

Als sie vor drei Jahren die Führung des Regionalspitals Zofingen übernommen habe, sei dieses im Hinblick auf die neue Spitalfinanzierung am Scheideweg gestanden, so Claudia Käch gegenüber den FN. «Es ging dem Spital schlecht. Ich habe dann das Projekt Albatros geleitet, bei dem das Regionalspital durch Aktientausch ans Kantonsspital Aarau angegliedert wurde.»

Das Projekt sei gelungen, so Käch. Jetzt freue sie sich, in Freiburg eine ähnlich Herausforderung anzunehmen. «Es ist toll, dass in Freiburg schon über die Strategie entschieden wurde. Jetzt geht es daran, diese operativ umzusetzen.»

Die Aufträge im Freiburger Spital seien klar. «Es wird eine Herausforderung und eine Freude sein, den Leuten aufzuzeigen, dass es gut wird», so Claudia Käch. «Man muss es zusammen mit den Beteiligten anpacken, auf sie zugehen und mit ihnen sprechen.» Sie habe bisher keinen Kontakt mit ihrer Vorgängerin Pauline de Vos Bolay gehabt, nicht zuletzt, weil sie neutral auf alle Beteiligten eingehen wolle.

Kennt Konstellation

In Zofingen leitete Claudia Käch ein Spital mit 550 Mitarbeitenden, in Freiburg sind es mehr als 2000. «Ich gehe mit Respekt an die Arbeit heran», sagt die zukünftige Generaldirektorin. «Aber im Kantonsspital Aarau, wo ich in der Geschäftsleitung bin, arbeiten 3800 Mitarbeitende. Die Konstellation mit einem starken Spitalzentrum und angeschlossenen regionalen Spitälern kenne ich somit sehr gut.»

Einen grossen Unterschied erkennt Käch in den Spitallandschaften Freiburgs und des Aargaus: Im Kanton Aargau gehören nur drei Kantonsspitäler dem Kanton; die Regionalspitäler arbeiten dagegen selbstständig und haben vom Kanton Leistungsaufträge. In Freiburg hingegen sei die Regierung über den Verwaltungsrat direkter in die Spitäler eingebunden.

Wenn Käch nun die mittel- und langfristige Strategie des Spitals umsetzen soll, so entspricht dies auch ihrem Zeithorizont: «Ich gehe von einem mittel- und langfristigen Engagement in Freiburg aus. Sonst ist die Strategie gar nicht realisierbar. Es braucht immer Zeit für einen solchen Wechsel.»

«Kein rundes Profil»

Verwaltungsratspräsident Philippe Menoud hebt hervor, dass Claudia Käch die einzige Kandidatin gewesen sei, die bereits ein Spital geleitet habe. Diese Qualität habe bei einem ersten Bewerbungseingang noch gefehlt, weshalb eine zweite Runde nötig wurde. Ein Personalvermittler hat Käch für den Verwaltungsrat ausfindig gemacht. Aus ihrem Hintergrund am Spital Zofingen sei ersichtlich, dass sie mit Spannungen und Konflikten umzugehen wisse, so Philippe Menoud. «Grosse Änderungen sind auch eine Quelle von Konflikten. Wir haben uns sehr viel Zeit genommen, um zu schauen, wie sie mit solchen Problemen umgeht, denn diese Situation wird auch in Freiburg auf sie zukommen. Aber sie ist eine Frau des Dialogs, und sie kann entscheiden.»

Mit der Wahl von Claudia Käch gehe der Verwaltungsrat eine Verpflichtung ein. «Wir hätten auch jemanden mit einem runderen Profil wählen können, der politisch akzeptabler wäre. Aber wir gehen mit ihr absichtlich in die andereRichtung.»

Claudia Käch. Bild zvg

«Ich gehe mit Respekt an die Arbeit heran.»

Claudia Käch

Neue Generaldirektorin HFR

Staatsrat: Die Wahl Kächs bestätigt

N achdem der Verwaltungsrat des Freiburger Spitals sich für Claudia Käch als neue Generaldirektorin ausgesprochen hatte, hat am Montag der Staatsrat diese Wahl bestätigt. «Der Staatsrat hat die Kompetenz zur Genehmigung von Anstellungen», so Staatsratspräsidentin Anne-Claude Demierre. «Ich bin sehr zufrieden, mit ihr zusammenarbeiten zu können», so Demierre. «Ich bin überzeugt, dass sie die geeignete Person ist, die Spitalstrategie umzusetzen.» Aus einer «Vielzahl» von Qualitäten Kächs hebt Demierre zwei hervor: Spontaneität und Mehrsprachigkeit. Demierre erkennt, dass Aargau wie Freiburg zwischen grösseren Zentren liegt und sich behaupten muss. «Von daher kennt Claudia Käch die Problematik», so Demierre. Die Staatsrätin will Käch nicht mit deren Vorgängerin vergleichen: «Beide Frauen haben ihre Kompetenzen.» uh

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